Beim Reihenhaus hört man oft denselben Satz: „Da passt doch gar keine Wärmepumpe hin.“ Der Garten ist ein Handtuch, der Nachbar sitzt drei Meter weiter, und im Vorgarten steht schon die Mülltonne. Trotzdem ist das Reihenhaus technisch eines der dankbarsten Häuser für eine Wärmepumpe, gerade das Mittelhaus.
Die Gründe sind einfach. Zwei Wände grenzen an beheizte Nachbarn und verlieren fast keine Wärme, das Haus braucht deshalb ein kleineres und leiseres Gerät als ein freistehendes. Die Fragen, die wirklich bleiben, sind Platz, Abstand und Lärm. Und die lassen sich vor dem Kauf beantworten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein saniertes Reihenmittelhaus braucht meist nur 6 bis 9 kW, ein Endhaus 1 bis 2 kW mehr
- Kleinere Geräte sind leiser und günstiger: 16.000 bis 24.000 Euro komplett vor Förderung
- In 13 von 16 Bundesländern ist baurechtlich kein Grenzabstand mehr nötig
- Die Lärmgrenze gilt trotzdem: 40 dB(A) nachts am Nachbarfenster, 35 im reinen Wohngebiet
- Vorgarten, Hauswand, Garagendach oder Innenaufstellung: fast immer gibt es einen Platz
- Bei Propan-Geräten gilt ein Schutzbereich von einem Meter um Fenster, Türen und Lichtschächte
- Erdwärme ist im Reihenhaus möglich, aber nur mit Bohrung, nicht mit Kollektor
Warum das Reihenhaus gut zur Wärmepumpe passt
Eine Wärmepumpe arbeitet umso sparsamer, je weniger Wärme sie liefern muss und je niedriger die Temperatur ist, mit der sie das schafft. Beim Reihenhaus hilft die Bauform bei beidem. Das Mittelhaus hat nur zwei Außenwände, Vorder- und Rückseite. Die Seitenwände grenzen an beheizte Nachbarn, durch sie geht praktisch keine Wärme verloren. Fachleute nennen das den Reihenhauseffekt.
In Zahlen: Ein saniertes Reihenhaus mit 110 bis 120 Quadratmetern liegt bei einer Heizlast von 6 bis 9 kW, ein teilsaniertes bei 10 bis 12 kW. Ein Endhaus braucht wegen der dritten Außenwand 1 bis 2 kW mehr. Ein freistehendes Haus gleicher Größe und Baujahrs liegt spürbar darüber.
Für dich heißt das: Das Gerät fällt kleiner aus, und kleinere Geräte sind leiser, günstiger und leichter unterzubringen. Genau die drei Punkte, an denen es beim Reihenhaus sonst hakt.
Wohin mit der Außeneinheit
Die meisten Reihenhäuser bekommen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, und die braucht ein Außengerät. Es ist etwa so groß wie eine Waschmaschine, bei kleinen Geräten kleiner, und hat einen Ventilator. Es braucht freien Luftweg vorn und hinten, mindestens einen Meter Abstand nach den Seiten und einen Platz, an dem die kalte Abluft nicht direkt auf Fenster oder Terrasse bläst.
Vorgarten
Der häufigste Platz. Meist neben dem Eingang oder an der Hauswand zur Straße. Vorteil: kurze Leitungswege zum Technikraum, der oft im vorderen Keller liegt, und die Straßenseite ist für den Nachbarn ohnehin die lautere. Nachteil: Der Vorgarten ist im Bebauungsplan oft als nicht überbaubare Fläche festgesetzt, dazu unten mehr.
Rückseite und Terrasse
Der Garten hinter dem Haus ist bei Reihenhäusern schmal, und die Terrasse liegt direkt daneben. Wer die Wärmepumpe hier aufstellt, sollte die Ausblasrichtung weg von der eigenen und der benachbarten Terrasse legen. Eine Eckaufstellung zwischen Hauswand und Nachbarzaun macht das Gerät um 3 bis 6 dB lauter, weil der Schall reflektiert wird. Frei stehen ist besser als eingeklemmt.
Hauswand und Konsole
Kleine Geräte lassen sich an einer Wandkonsole montieren. Das spart Grundfläche und hebt das Gerät über Schneehöhe. Der Nachteil ist Körperschall: Vibrationen wandern über die Wand ins Haus, weshalb die Konsole entkoppelt sein muss. An der Wand zum Nachbarn ist das keine Option, weil dessen Wand mitschwingt.
Garagendach oder Flachdach
Viele Reihenhäuser haben eine Garage oder einen Anbau mit Flachdach. Das kann funktionieren, hat aber Bedingungen. Das Dach muss eine Stahlbetondecke haben, Holzsparren oder Trapezblech tragen die Last und die Schwingungen nicht. Es braucht schwingungsdämpfende Füße, oft einen Kran zur Montage, und der Schall breitet sich von oben weiter aus als vom Boden. Wer diesen Weg geht, sollte die Schallprognose vorher rechnen lassen.
Innenaufstellung
Wenn draußen wirklich nichts geht, gibt es Geräte, die komplett im Haus stehen. Sie saugen die Außenluft über zwei Wanddurchbrüche mit Luftkanälen an und blasen sie wieder hinaus. Draußen sieht man nur zwei Gitter, der Lärm bleibt weitgehend im Keller. Der Preis dafür sind Platz im Technikraum, zwei große Kernbohrungen und etwas mehr Aufwand bei der Planung.
Propan-Geräte brauchen einen Schutzbereich
Immer mehr Wärmepumpen arbeiten mit dem Kältemittel Propan (R290), weil es klimafreundlich ist und hohe Vorlauftemperaturen schafft. Propan ist aber brennbar, und deshalb gilt für die Außenaufstellung ein Schutzbereich: mindestens ein Meter Radius zu Fenstern, Türen, Lichtschächten, Kellerabgängen und Gullys, in die austretendes Gas absinken könnte. Eine Aufstellung in einer Senke oder einem Lichtschacht ist nicht zulässig.
Auf dem schmalen Reihenhausgrundstück kann dieser Meter darüber entscheiden, ob ein Standort geht. Frag deshalb bei jedem Angebot nach dem Kältemittel und lass dir den Schutzbereich am geplanten Standort zeigen.
Abstand und Lärm: zwei getrennte Fragen
Beim Reihenhaus verwechseln viele zwei Dinge. Das Baurecht regelt, wie nah die Wärmepumpe an die Grundstücksgrenze darf. In 13 von 16 Bundesländern ist dafür kein Mindestabstand mehr vorgeschrieben, solange die Anlage samt Fundament und Einhausung höchstens zwei Meter hoch und drei Meter breit ist. An Ein- und Zweifamilienhäusern, zu denen Reihenhäuser zählen, ist die Aufstellung überall verfahrensfrei.
Das Lärmrecht gilt davon unabhängig. Maßgeblich ist der Pegel am nächsten fremden Wohnfenster: nachts 40 dB(A) im allgemeinen und 35 dB(A) im reinen Wohngebiet. Jede Verdopplung des Abstands senkt den Pegel um rund 6 dB. Beim Reihenhaus ist das Nachbarfenster selten weiter als drei bis fünf Meter entfernt, weshalb der Schallleistungspegel des Geräts hier wichtiger ist als bei jedem anderen Haustyp. Wie du das vor dem Kauf überschlägst, steht im Ratgeber zu Wärmepumpe und Nachbarn.
Ein Nebeneffekt der kleinen Heizlast: Geräte bis 6 kW dürfen für die Förderung höchstens 55 dB(A) Schallleistung haben, und viele aktuelle Modelle liegen deutlich darunter. Das kleine Reihenhausgerät ist damit oft von Haus aus leise genug.
Was der Bebauungsplan zum Vorgarten sagt
Der Vorgarten ist im Bebauungsplan häufig als nicht überbaubare Grundstücksfläche festgesetzt, manchmal mit Begrünungsgebot. Nebenanlagen können dort zugelassen werden, einen Anspruch darauf gibt es aber nicht, und bei einem Begrünungsgebot kann die Gemeinde ablehnen.
Praktisch heißt das: Vor der Auftragsvergabe beim Bauamt anrufen und nach dem Bebauungsplan fragen. In den meisten Fällen ist die Antwort unproblematisch, und wo sie es nicht ist, bleibt die Rückseite, die Wand oder die Innenaufstellung. Besser vorher wissen als hinterher versetzen.
Heizkörper bleiben meist drin
Reihenhäuser aus den 1970er bis 1990er Jahren haben fast immer Heizkörper. Die müssen nicht raus. Entscheidend ist, ob das Haus mit 55 Grad Vorlauf am kältesten Tag warm wird. Wegen der geringen Heizlast klappt das im Reihenhaus häufiger als im freistehenden Altbau, oft reicht der Tausch von ein oder zwei zu kleinen Heizkörpern. Wie du das selbst prüfst, steht im Ratgeber zu Wärmepumpen mit normalen Heizkörpern.
Kosten, Förderung und Stromverbrauch
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet komplett eingebaut 15.000 bis 28.000 Euro. Reihenhäuser liegen wegen des kleinen Geräts und der kurzen Wege meist am unteren Ende, also bei 16.000 bis 24.000 Euro vor Förderung. Die Förderung über die KfW bringt 30 Prozent Grundförderung, 16 Prozent Klimabonus beim Tausch einer alten Öl- oder Gasheizung und je nach Einkommen einen weiteren Bonus, gedeckelt bei 80 Prozent und 22.400 Euro. Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt sein.
| Reihenmittelhaus 110 m² | saniert | teilsaniert |
|---|---|---|
| Heizlast | rund 7 kW | rund 11 kW |
| Wärmebedarf inkl. Warmwasser | 10.600 kWh | 16.500 kWh |
| Strom bei JAZ 3,4 | 3.100 kWh | 4.850 kWh |
| Stromkosten bei 23 ct | rund 720 € | rund 1.120 € |
| Anschaffung vor Förderung | 16.000–20.000 € | 20.000–24.000 € |
| Eigenanteil bei 46 % Zuschuss | 8.600–10.800 € | 10.800–13.000 € |
Die Rechnung folgt der Methode aus dem Ratgeber zum Stromverbrauch: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl. Die 46 Prozent sind Grundförderung plus Klimabonus ohne Einkommensbonus. Mit Einkommensbonus sinkt der Eigenanteil weiter, was aktuell gilt, steht im Ratgeber zur Wärmepumpen-Förderung.
Wenn draußen kein Platz ist: die Alternativen
Erdwärme ist im Reihenhaus möglich, aber nur mit Bohrung. Für einen Flächenkollektor braucht es mehrere hundert Quadratmeter Garten, die kein Reihenhaus hat. Eine Erdsonde braucht dagegen nur den Platz für das Bohrgerät und einen Abstand von meist drei bis fünf Metern zur Grundstücksgrenze, je nach Bundesland. Die Bohrung genehmigt die untere Wasserbehörde. Sie kostet 60 bis 120 Euro je Meter, das Gesamtsystem liegt bei rund 30.000 Euro vor Förderung. Dafür gibt es kein Außengerät, keinen Lärm und die höchste Effizienz. Auf schmalen Grundstücken scheitert es oft am Grenzabstand, nicht an der Technik.
Die Innenaufstellung mit Luftkanälen, oben beschrieben, ist die zweite Option. Sie kostet etwas mehr Planung, löst aber Platz- und Lärmfrage auf einmal.
Eine Luft-Luft-Wärmepumpe, also Klimageräte, die auch heizen, ist die dritte. Sie braucht kleine Außengeräte an der Wand und keine Heizkörper, liefert aber kein Warmwasser und passt eher zu gut gedämmten Häusern mit offenem Grundriss. Für die meisten Reihenhäuser mit Heizkörpern bleibt die Luft-Wasser-Wärmepumpe die naheliegende Lösung.
Häufige Fragen
Passt eine Wärmepumpe in ein Reihenhaus?
In den meisten Fällen ja. Das Reihenhaus hat wegen der Nachbarwände eine kleine Heizlast, braucht deshalb ein kleines, leises Gerät, und für das gibt es fast immer einen Platz: Vorgarten, Hauswand, Garagendach oder als Innenaufstellung mit Luftkanälen.
Welche Wärmepumpe für ein Reihenmittelhaus?
Ein saniertes Mittelhaus mit rund 110 Quadratmetern braucht ein Gerät mit 6 bis 8 kW, ein teilsaniertes 10 bis 12 kW. Wichtig ist, dass der Fachbetrieb die Heizlast berechnet statt zu schätzen, denn zu große Geräte takten und werden lauter als nötig.
Wie viel Abstand zum Nachbarn braucht die Wärmepumpe im Reihenhaus?
Baurechtlich in 13 von 16 Bundesländern keinen, solange die Anlage höchstens zwei Meter hoch und drei Meter breit ist. Entscheidend ist der Lärm am Nachbarfenster: nachts 40 dB(A), im reinen Wohngebiet 35. Bei drei bis fünf Metern Abstand erfüllen das leise Geräte mit unter 55 dB(A) Schallleistung meist ohne Zusatzmaßnahmen.
Darf die Wärmepumpe in den Vorgarten?
Oft ja, aber der Vorgarten ist im Bebauungsplan häufig nicht überbaubare Fläche. Die Gemeinde kann eine Nebenanlage dort zulassen, muss es aber nicht. Ein Anruf beim Bauamt vor der Beauftragung klärt das in Minuten.
Was kostet eine Wärmepumpe im Reihenhaus?
Komplett eingebaut 16.000 bis 24.000 Euro vor Förderung, weil das Gerät kleiner ausfällt als im freistehenden Haus. Mit 30 Prozent Grundförderung und 16 Prozent Klimabonus bleiben 8.600 bis 13.000 Euro Eigenanteil, mit Einkommensbonus weniger.
Geht Erdwärme im Reihenhaus?
Mit Erdsonde ja, mit Flächenkollektor nein. Die Bohrung braucht wenig Platz, aber meist drei bis fünf Meter Abstand zur Grenze und eine Genehmigung der unteren Wasserbehörde. Auf sehr schmalen Grundstücken ist der Grenzabstand das Problem.
Passende Ratgeber
Was du als Nächstes tun kannst
- Miss die möglichen Standorte aus: Abstand zum nächsten fremden Fenster, freier Luftweg, ein Meter zu Fenstern und Lichtschächten.
- Frag beim Bauamt nach dem Bebauungsplan, falls der Vorgarten dein Wunschplatz ist.
- Lass die Heizlast berechnen, nicht schätzen, das Reihenhaus verträgt kein zu großes Gerät.
- Lass dir in jedem Angebot Schallleistungspegel, Kältemittel und den vorgesehenen Standort nennen.
- Stell den Förderantrag, bevor du den Auftrag erteilst.
