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Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren: Wie viel spart das wirklich?

von Clever-Bauen.de Redaktion | Aug. 6, 2026

Auf dem Papier ist es die perfekte Ehe: Die Photovoltaikanlage produziert Strom, die Wärmepumpe braucht Strom – also heizt man ab sofort gratis mit der Sonne. So wird die Kombination in vielen Angeboten verkauft.

Die Realität ist etwas nüchterner, aber immer noch gut: Deine PV-Anlage deckt typischerweise ein Viertel bis ein Drittel des Wärmepumpenstroms. Der Grund ist simpel – die Sonne liefert im Juli, geheizt wird im Januar. Trotzdem lohnt sich die Kombination fast immer. Nur eben aus einem anderen Grund, als die meisten denken. Und es gibt eine technische Entscheidung, die dich richtig Geld kosten kann, wenn du sie falsch triffst.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Eine PV-Anlage deckt realistisch 20–30 % des Wärmepumpenstroms, mit Speicher 30–40 % – nicht 100 %
  • Dezember und Januar liefern zusammen nur rund 5 % des Jahresertrags – genau dann heizt die Wärmepumpe am meisten
  • Der Gewinn entsteht im Gesamthaushalt: 10 kWp plus Speicher sparen im Beispiel rund 1.790 € Stromkosten pro Jahr
  • Teurer Fehler: ein separater Wärmepumpen-Zähler – dann kann dein Solarstrom die Wärmepumpe nicht mehr versorgen
  • Gefördert wird nur die Wärmepumpe (KfW 458, bis 80 %). Für PV gibt es keinen Zuschuss, dafür 0 % Mehrwertsteuer
  • Faustformel für die Anlagengröße: Jahresstromverbrauch × 2,0 bis 2,5 ÷ 1.000 = kWp

Warum die Rechnung „Sonne heizt das Haus“ nicht aufgeht

Photovoltaik und Wärmepumpe haben ein grundsätzliches Timing-Problem: Ihre Kurven laufen genau gegeneinander.

Eine PV-Anlage in Deutschland erzeugt rund 70 % ihres Jahresertrags im Sommerhalbjahr von April bis September. Dezember und Januar zusammen bringen nur etwa 5 %. Die Wärmepumpe verhält sich exakt umgekehrt: Im Juli läuft sie praktisch nur für das Warmwasser, im Januar zieht sie den Großteil ihres Jahresstroms.

Deshalb ist die ehrliche Antwort auf „Wie viel vom Wärmepumpenstrom kommt vom Dach?“ nicht 80 oder 90 %, sondern:

Konstellation Anteil PV am Wärmepumpenstrom Autarkie im Gesamthaushalt
PV ohne Speicher 20–30 % 25–35 %
PV mit 8–10 kWh Speicher 30–40 % 50–60 %
PV, Speicher und gute Dämmung bis 45 % 60–70 %

Wer dir 100 % Autarkie verspricht, verkauft dir etwas. Für vollständige Unabhängigkeit im Winter bräuchtest du eine Speichergröße, die sich in keinem Einfamilienhaus rechnet.

Der eigentliche Vorteil liegt woanders – und er ist deutlich größer, als die Deckungsquote vermuten lässt: Die Wärmepumpe hebt deinen Gesamtstromverbrauch von etwa 3.500 auf 9.000 kWh im Jahr. Damit findet dein Solarstrom endlich einen Abnehmer im Haus, statt für 7,70 Cent ins Netz zu fließen. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) hat gemessen, dass der selbst genutzte Anteil bei kleineren Anlagen durch eine Wärmepumpe von 30 auf 45 % steigt.

Rechenbeispiel: Einfamilienhaus mit 10 kWp

Nehmen wir ein typisches Einfamilienhaus mit 140 m², einem Heizwärmebedarf von 18.000 kWh und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 – dem Mittelwert, den das Fraunhofer ISE in vier Jahren Feldmessung im Bestand ermittelt hat.

Daraus ergeben sich 5.300 kWh Wärmepumpenstrom plus 3.500 kWh Haushaltsstrom, zusammen 8.800 kWh im Jahr. Die PV-Anlage hat 10 kWp und liefert rund 9.500 kWh. Gerechnet wird mit 30 Cent Strombezugspreis und 7,70 Cent Einspeisevergütung.

Variante Netzbezug Einspeise-Erlös Stromkosten netto
Wärmepumpe ohne PV 8.800 kWh 2.640 €
+ 10 kWp PV ohne Speicher 5.950 kWh 512 € 1.270 €
+ 10 kWp PV mit 10 kWh Speicher 4.050 kWh 366 € 850 €

Unterm Strich: Die PV-Anlage senkt die Stromkosten um rund 1.370 € pro Jahr, mit Speicher um 1.790 €. Bei 11.000–15.000 € für die Anlage ohne Speicher amortisiert sie sich in etwa neun bis elf Jahren – bei 20 Jahren garantierter Einspeisevergütung und 25–30 Jahren Lebensdauer der Module.

Der Speicher kostet 5.000–7.000 € Aufpreis und bringt zusätzlich rund 420 € im Jahr. Das sind gut 13 Jahre bis zur Amortisation – rechnerisch also ein Grenzfall, der sich vor allem über Komfort, Notstromfähigkeit und steigende Strompreise trägt.

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Der teuerste Fehler: der zweite Stromzähler

Hier trennt sich die gute von der mittelmäßigen Planung – und kaum jemand spricht darüber.

Seit dem 1. Januar 2024 fallen alle neuen Wärmepumpen ab 4,2 kW Anschlussleistung unter § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf sie in Ausnahmefällen drosseln, im Gegenzug bekommst du reduzierte Netzentgelte. Du kannst zwischen zwei Wegen wählen:

  • Modul 1 – ein gemeinsamer Zähler: Du bekommst eine feste Pauschale von rund 110–190 € im Jahr, je nach Netzgebiet. Haushalt und Wärmepumpe hängen am selben Zähler.
  • Modul 2 – separater Zähler für die Wärmepumpe: Du bekommst rund 60 % Rabatt auf den Arbeitspreis-Anteil des Netzentgelts, also etwa 4–5 Cent je Kilowattstunde. Bei 5.300 kWh sind das rund 250 €.

Modul 2 klingt attraktiver – und ohne PV ist es das ab etwa 4.500 kWh Wärmepumpenstrom auch. Mit einer PV-Anlage kehrt sich das aber um. Der Grund: Bei getrennter Messung kann dein Solarstrom nur den Haushaltszähler bedienen, nicht die separat gemessene Wärmepumpe. Der Anteil, den die Sonne zur Heizung beiträgt, fällt damit auf null.

Rechne es gegeneinander:

  • Jede Kilowattstunde, die die PV in die Wärmepumpe schickt, spart rund 22 Cent – nämlich 30 Cent Bezugspreis abzüglich der 7,70 Cent Einspeisevergütung, auf die du dafür verzichtest.
  • Jede Kilowattstunde unter Modul 2 spart 4–5 Cent Netzentgelt.

Der Solarstrom ist also gut viermal so wertvoll. Wer PV und Wärmepumpe kombiniert, fährt in aller Regel mit einem gemeinsamen Zähler und Modul 1 besser. Wer beides haben will – Wärmepumpentarif und Solarstrom für die Heizung –, braucht eine Kaskadenschaltung mit zwei Zählern. Die kostet Zusatzaufwand und rechnet sich meist erst bei hohem Wärmebedarf. Sprich diesen Punkt aktiv an, bevor der Zählerschrank gesetzt wird – nachträglich wird es teuer.

Wie groß muss die PV-Anlage sein?

Die gängige Faustformel lautet: Jahresstromverbrauch in kWh × 2,0 bis 2,5 ÷ 1.000 = empfohlene Leistung in kWp. Für unser Beispielhaus mit 8.800 kWh ergibt das 17,6 bis 22 kWp – mehr, als die meisten Dächer hergeben.

In der Praxis gilt deshalb: Belege das Dach so voll wie möglich. Bei Modulpreisen um 1.100–1.500 € pro kWp inklusive Montage ist jedes zusätzliche Kilowatt günstig, und im Winter zählt jede Kilowattstunde doppelt. Realistisch landen Häuser mit Wärmepumpe bei 8–14 kWp.

Zwei Details, die im Winter mehr bringen als ein größerer Speicher:

  • Ost-West statt nur Süd: Eine Ost-West-Belegung liefert über den Tag verteilter und trifft die Verbrauchsspitzen morgens und abends besser.
  • Steilere Modulneigung: Bei 45–60 ° Neigung steht die Sonne im Winter günstiger zum Modul. Der Jahresertrag sinkt leicht, der Winterertrag steigt.

Ein Hinweis zur Anlagengröße: Bis 30 kWp bleibt es beim 0 %-Mehrwertsteuersatz und der Einkommensteuerbefreiung nach § 3 Nr. 72 EStG. Bis 10 kWp bekommst du 7,70 Cent Einspeisevergütung, darüber sinkt sie für den übersteigenden Teil auf 6,66 Cent.

SG Ready: damit die Wärmepumpe zur richtigen Zeit läuft

Damit die Kombination überhaupt funktioniert, muss die Wärmepumpe wissen, wann die Sonne scheint. Dafür gibt es die SG-Ready-Schnittstelle – sie ist bei neuen Wärmepumpen praktisch immer serienmäßig an Bord und kostet dich nichts extra.

Ein Energiemanager meldet der Wärmepumpe den Solarüberschuss, woraufhin sie in den Boost-Modus geht: Sie lädt mittags den Warmwasserspeicher, hebt die Vorlauftemperatur leicht an oder heizt den Estrich vor. Statt für 7,70 Cent einzuspeisen, verdrängst du Netzstrom für 30 Cent. Ohne diese Steuerung heizt die Wärmepumpe nachts, wenn die Anlage nichts liefert – und die Kombination bringt nur einen Bruchteil.

Seit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 kommt ein zweiter Grund dazu: Neue PV-Anlagen unter 25 kW dürfen ohne intelligentes Messsystem nur 60 % ihrer Nennleistung einspeisen. Wer den Überschuss selbst verbraucht, statt ihn abzuregeln, verliert dadurch deutlich weniger.

Förderung: Wärmepumpe ja, Photovoltaik nein

Beim Geld vom Staat trennen sich die beiden Technologien klar.

Die Wärmepumpe wird über die KfW (Programm 458) bezuschusst: 30 % Grundförderung, dazu 16 % Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer alten fossilen Heizung sowie ein einkommensabhängiger Bonus von bis zu 40 % (40 % bis 30.000 €, 30 % bis 40.000 €, 10 % bis 50.000 € zu versteuerndem Haushaltseinkommen). Maximal sind 80 % möglich, die förderfähigen Kosten sind auf 28.000 € für die erste Wohneinheit gedeckelt – höchstens also 22.400 € Zuschuss.

Wichtig für die Terminplanung: Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt halbjährlich – auf 12 % ab dem 1. Februar 2027, 8 % ab August 2027, 4 % ab Februar 2028 und 0 % ab August 2028. Wer den Tausch ohnehin plant, verliert durch Warten bares Geld.

Für die Photovoltaikanlage gibt es dagegen keinen Investitionszuschuss vom Bund. Ihre Förderung besteht aus drei anderen Bausteinen: der Einspeisevergütung nach EEG über 20 Jahre, dem Nullsteuersatz beim Kauf und zinsgünstigen KfW-Krediten (Programm 270). Manche Bundesländer und Kommunen legen eigene Zuschüsse auf – ein Blick in die lokalen Programme lohnt sich, insbesondere für Speicher.

Eine wichtige Abgrenzung: Beide Programme lassen sich parallel nutzen, aber dieselbe Rechnungsposition darf nicht doppelt gefördert werden. Achte darauf, dass Wärmepumpe und PV-Anlage sauber getrennt abgerechnet werden. Und vergiss die Anmeldung der PV-Anlage im Marktstammdatenregister nicht – ohne sie gibt es keine Vergütung.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel Prozent des Wärmepumpenstroms deckt eine PV-Anlage?

Realistisch 20–30 % ohne Speicher und 30–40 % mit einem 8–10 kWh Speicher. Der Grund für die Grenze ist die Jahreszeit: Dezember und Januar liefern zusammen nur rund 5 % des PV-Jahresertrags, während die Wärmepumpe genau dann am meisten Strom zieht. Deutlich höhere Werte sind technisch möglich, rechnen sich im Einfamilienhaus aber nicht.

Lohnt sich ein Stromspeicher, wenn ich eine Wärmepumpe habe?

Er hilft – aber weniger als oft angenommen. Ein Speicher überbrückt Stunden, nicht Monate. Im Winter, wenn die Wärmepumpe den Strom bräuchte, ist er abends leer. Im Beispiel bringt er rund 420 € im Jahr bei 5.000–7.000 € Mehrkosten, also gut 13 Jahre bis zur Amortisation. Eine größere Modulfläche bringt pro investiertem Euro meist mehr.

Brauche ich für die Wärmepumpe einen zweiten Stromzähler?

Nein, und in Kombination mit Photovoltaik ist ein separater Zähler meist sogar nachteilig. Bei getrennter Messung kann dein Solarstrom die Wärmepumpe nicht mehr versorgen. Der Wert einer solar gedeckten Kilowattstunde liegt bei rund 22 Cent, der Netzentgelt-Rabatt aus Modul 2 nur bei 4–5 Cent. Ein gemeinsamer Zähler mit Modul 1 ist für PV-Haushalte in der Regel die bessere Wahl.

Kann ich Photovoltaik und Wärmepumpe zusammen fördern lassen?

Die Wärmepumpe ja – über die KfW 458 mit bis zu 80 % Zuschuss. Für die PV-Anlage gibt es keinen Bundeszuschuss, dafür 0 % Mehrwertsteuer beim Kauf, die Einspeisevergütung über 20 Jahre und günstige KfW-Kredite. Beides parallel zu beantragen ist erlaubt, solange dieselbe Rechnungsposition nicht doppelt gefördert wird.

Muss die PV-Anlage vor der Wärmepumpe installiert werden?

Die Reihenfolge ist frei, aber die Planung sollte gemeinsam laufen. Entscheidend sind zwei Punkte, die sich nachträglich nur teuer ändern lassen: das Zählerkonzept und ein Energiemanager, der die Wärmepumpe per SG Ready auf den Solarüberschuss schaltet. Wer die PV später ergänzt, sollte den Zählerschrank von Anfang an dafür vorbereiten lassen.

Fazit

Photovoltaik und Wärmepumpe passen gut zusammen – aber nicht, weil die Sonne dein Haus heizt. Sie deckt nur 20–40 % des Wärmepumpenstroms, weil Ertrag und Heizbedarf zeitlich auseinanderfallen. Der Gewinn entsteht dadurch, dass die Wärmepumpe deinen Stromverbrauch fast verdreifacht und dein Solarstrom dadurch endlich im Haus bleibt, statt für 7,70 Cent ins Netz zu gehen: im Beispiel rund 1.790 € Ersparnis im Jahr. Zwei Weichen solltest du früh richtig stellen – ein gemeinsamer Stromzähler statt eines separaten Wärmepumpenzählers und ein Energiemanager, der die Wärmepumpe per SG Ready auf den Solarüberschuss schaltet.

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