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Wärmepumpe: Stromverbrauch pro Jahr berechnen

von Clever-Bauen.de Redaktion | Aug. 10, 2026

Die Angebote sagen dir, was die Wärmepumpe kostet. Was sie jedes Jahr verbraucht, steht selten dabei. Dabei entscheidet genau diese Zahl darüber, ob sich der Umstieg rechnet.

Im Einfamilienhaus liegt der Verbrauch meist zwischen 3.000 und 6.000 Kilowattstunden im Jahr. Die Spanne ist groß, weil sie an drei Größen hängt, die du vorab abschätzen kannst: am Wärmebedarf deines Hauses, an der Effizienz der Anlage und am Warmwasser. Mit einer Formel und zwei Tabellen kommst du auf einen Wert, der nah an der Realität liegt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Formel lautet: Wärmebedarf im Jahr geteilt durch die Jahresarbeitszahl
  • Ein saniertes Einfamilienhaus mit 140 m² kommt auf etwa 4.400 kWh, ein unsaniertes auf 8.600 kWh
  • Warmwasser erhöht den Bedarf um 15 bis 25 Prozent
  • Fünf Grad weniger Vorlauftemperatur senken den Verbrauch um 10 bis 15 Prozent
  • Wärmepumpenstrom kostet 2026 etwa 20 bis 26 Cent, Haushaltsstrom im Schnitt 37 Cent
  • Eine dauerhaft mitlaufende Elektro-Zusatzheizung ist der häufigste Grund für überraschend hohe Rechnungen

Die Formel

Der Rechenweg ist einfacher, als es klingt:

Wärmebedarf pro Jahr (kWh) ÷ Jahresarbeitszahl = Stromverbrauch pro Jahr (kWh)

Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, sagt dir, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht. Bei einer JAZ von 3,4 werden aus 1 kWh Strom also 3,4 kWh Wärme.

Den Wärmebedarf deines Hauses kennst du vielleicht schon aus dem Energieausweis. Falls nicht, kommst du über die Wohnfläche und das Baujahr auf einen brauchbaren Schätzwert. Die folgenden Werte orientieren sich an den Richtwerten des Umweltbundesamts:

Gebäudezustand Baujahr Heizwärmebedarf
Unsaniert, ohne Dämmung vor 1978 150–200 kWh/m² im Jahr
Teilsaniert 1979–2001 100–150 kWh/m² im Jahr
Saniert oder Neubau ab 2002 60–100 kWh/m² im Jahr
Effizienzhaus Neubau nach GEG unter 60 kWh/m² im Jahr

Wohnfläche mal Kennwert ergibt den Heizwärmebedarf. Für das Warmwasser rechnest du 15 bis 25 Prozent obendrauf, je nachdem, wie viele Personen im Haushalt leben.

Was das für dein Haus bedeutet

Gerechnet für ein Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern, einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,4 und 20 Prozent Aufschlag für Warmwasser:

Gebäudezustand Wärmebedarf gesamt Stromverbrauch Kosten bei 23 ct
Unsaniert 29.400 kWh 8.600 kWh rund 1.980 €
Teilsaniert 21.000 kWh 6.200 kWh rund 1.430 €
Saniert 15.100 kWh 4.400 kWh rund 1.010 €
Effizienzhaus 9.200 kWh 2.700 kWh rund 620 €

Der oft genannte Durchschnitt von 3.000 bis 6.000 Kilowattstunden gilt also für sanierte und teilsanierte Häuser. Im unsanierten Altbau liegt der Verbrauch darüber. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Grund, vor dem Einbau über die Vorlauftemperatur zu sprechen.

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Warum die Jahresarbeitszahl mehr zählt als das Gerät

Zwei baugleiche Wärmepumpen können sich im Verbrauch um ein Drittel unterscheiden. Der Unterschied liegt nicht am Hersteller, sondern daran, wie warm das Heizwasser sein muss und wie gut die Anlage eingestellt ist.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat 77 Anlagen im Bestand vier Jahre lang vermessen. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten dabei im Mittel eine JAZ von 3,4, Erdwärmepumpen 4,3. Die Spanne über alle Anlagen reichte von 2,6 bis 5,4. Was diese Streuung im Geldbeutel ausmacht, zeigt dasselbe sanierte Haus von oben mit 15.100 kWh Wärmebedarf:

Jahresarbeitszahl Typisch für Stromverbrauch Kosten bei 23 ct
2,8 Luft-Wasser, hohe Vorlauftemperatur 5.400 kWh rund 1.240 €
3,4 Luft-Wasser im Bestand, Mittelwert 4.400 kWh rund 1.010 €
4,3 Erdwärme 3.500 kWh rund 810 €

Zwischen der schlechtesten und der besten Variante liegen gut 400 € im Jahr, über zwanzig Jahre also der Preis eines Mittelklassewagens. Deshalb lohnt es sich, im Angebot nach der erwarteten Jahresarbeitszahl zu fragen und nicht nur nach dem Gerätepreis.

Was der Strom kostet

Für den Wärmepumpenstrom zahlst du nicht zwangsläufig den normalen Haushaltspreis. Nach der BDEW-Analyse vom April 2026 liegt der Haushaltsstrom im Schnitt bei 37 Cent je Kilowattstunde, in der Grundversorgung bei 42,8 Cent. Wärmepumpentarife kosten 2026 dagegen etwa 20 bis 26 Cent.

Die günstigen Tarife setzen einen separaten Zähler für die Wärmepumpe voraus. Seit 2024 ist der keine Pflicht mehr, du hast die Wahl zwischen zwei Wegen nach § 14a EnWG. Bleibt die Wärmepumpe am gemeinsamen Haushaltszähler, bekommst du eine Netzentgelt-Pauschale von 110 bis 190 € im Jahr, zahlst aber deinen normalen Haushaltstarif. Mit separatem Zähler öffnet sich der Zugang zu den Wärmepumpentarifen. Ab etwa 3.000 kWh Jahresverbrauch rechnet sich der zweite Zähler in der Regel.

Eine Ausnahme gilt für Häuser mit Photovoltaik. Dort erreicht der Solarstrom die separat gemessene Wärmepumpe nicht mehr, was die Rechnung wieder umdrehen kann. Wie das im Einzelfall ausgeht, steht im Ratgeber zur Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe.

Wo der Verbrauch aus dem Ruder läuft

Wenn die Jahresabrechnung deutlich über der Rechnung von oben liegt, ist fast immer eine der folgenden vier Ursachen im Spiel.

Die häufigste ist eine zu hoch eingestellte Vorlauftemperatur. Jede Absenkung um fünf Grad senkt den Stromverbrauch um 10 bis 15 Prozent. Viele Anlagen laufen ab Werk mit Reserve, die im Alltag niemand braucht.

Damit hängt die Heizkurve zusammen, die festlegt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur steigt. Eine flachere Kurve arbeitet meist sparsamer, ohne dass es im Wohnzimmer kälter wird. Das ist eine Einstellsache und kostet nichts außer etwas Geduld über zwei, drei kalte Wochen.

Die Nachtabsenkung, die bei Gas und Öl sinnvoll war, ist bei einer Wärmepumpe meist kontraproduktiv. Flächenheizungen reagieren träge, das ausgekühlte Haus muss morgens mit erhöhtem Aufwand wieder hochgeheizt werden, und häufig springt dabei der elektrische Heizstab an.

Dieser Heizstab ist der vierte Punkt und der teuerste. Er heizt direkt mit Strom, also mit einer Arbeitszahl von 1, und macht jede Effizienz der Wärmepumpe zunichte. Für kalte Spitzentage und die Legionellenschaltung ist er vorgesehen. Läuft er dagegen regelmäßig mit, ist das ein Hinweis auf eine zu klein dimensionierte Anlage, einen fehlenden hydraulischen Abgleich oder falsche Reglereinstellungen. In diesem Fall lohnt sich ein Servicetermin schnell.

Verbrauch selbst messen

Wer den tatsächlichen Verbrauch kennen will, braucht keinen Fachbetrieb. Viele Wärmepumpen zeigen die aufgenommene Strommenge im Menü der Regelung an, oft getrennt nach Heizen und Warmwasser. Ein separater Zähler liefert den Wert ohnehin.

Hängt die Anlage am gemeinsamen Zähler, hilft ein einfacher Zwischenzähler für die Wärmepumpenzuleitung, den ein Elektriker in kurzer Zeit setzt. Aussagekräftig wird der Wert nach einer vollen Heizperiode. Vergleiche ihn dann mit dem Rechenwert aus der Tabelle: Liegst du mehr als 20 Prozent darüber, lohnt der Blick auf Vorlauftemperatur, Heizkurve und Heizstab.

Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?

In einem sanierten Haus mit 140 Quadratmetern etwa 4.400 kWh im Jahr, in einem teilsanierten rund 6.200 kWh und im unsanierten Altbau bis zu 8.600 kWh. Gerechnet mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 und 20 Prozent Aufschlag für Warmwasser. Der oft genannte Bereich von 3.000 bis 6.000 kWh trifft auf sanierte und teilsanierte Gebäude zu.

Wie berechne ich den Stromverbrauch selbst?

Wohnfläche mal Heizwärmebedarf ergibt den Wärmebedarf, geteilt durch die Jahresarbeitszahl ergibt den Stromverbrauch. Für ein saniertes Haus mit 140 m² und 90 kWh/m² sind das 12.600 kWh Heizwärme, plus 20 Prozent Warmwasser 15.100 kWh, geteilt durch 3,4 also rund 4.400 kWh Strom.

Was kostet der Strom für eine Wärmepumpe im Jahr?

Bei einem Wärmepumpentarif um 23 Cent zahlst du für 4.400 kWh rund 1.010 € im Jahr. Am normalen Haushaltstarif von 37 Cent wären es 1.630 €. Die günstigen Tarife setzen einen separaten Stromzähler voraus, der sich ab etwa 3.000 kWh Jahresverbrauch meist lohnt.

Verbraucht eine Wärmepumpe im Altbau zu viel Strom?

Nicht grundsätzlich. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, nicht das Baujahr. Das Fraunhofer ISE fand in seiner Feldstudie keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz. Ein unsaniertes Haus verbraucht absolut mehr, weil es mehr Wärme braucht, kann dabei aber eine ordentliche Jahresarbeitszahl erreichen.

Warum ist meine Stromrechnung höher als berechnet?

Meist liegt es an einer zu hohen Vorlauftemperatur, einer zu steilen Heizkurve, einer aktiven Nachtabsenkung oder einem dauerhaft mitlaufenden Elektro-Heizstab. Der Heizstab wiegt am schwersten, weil er direkt mit Strom heizt. Läuft er regelmäßig, sollte ein Fachbetrieb die Dimensionierung und den hydraulischen Abgleich prüfen.

Was du als Nächstes tun kannst

  1. Wohnfläche und Baujahr in die Formel einsetzen und deinen Erwartungswert notieren.
  2. Am Regler die eingestellte Vorlauftemperatur ablesen und mit dem Fachbetrieb besprechen, ob fünf Grad weniger möglich sind.
  3. Prüfen, ob die Nachtabsenkung aktiv ist, und sie versuchsweise abschalten.
  4. Bei mehr als 3.000 kWh Jahresverbrauch Wärmepumpentarife mit separatem Zähler durchrechnen.

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