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PV-Anlage mieten: Was es kostet und wann Kaufen günstiger ist

von Clever-Bauen.de Redaktion | Okt. 29, 2026

Veröffentlicht am · Redaktion Clever-Bauen.de

Eine Solaranlage aufs Dach, ohne einen Euro Anschaffungskosten: Mit diesem Versprechen werben Mietanbieter für Photovoltaik. Statt des Kaufpreises zahlst du eine monatliche Rate, laut Verbraucherzentrale meist zwischen 80 und 300 Euro, über eine Laufzeit von meist mindestens 20 Jahren. Am Ende summiert sich das auf einen hohen fünfstelligen Betrag, der den Kaufpreis einer Anlage fast immer deutlich übersteigt.

Dieser Ratgeber erklärt, wie das Mietmodell funktioniert, rechnet Miete und Kauf über 20 Jahre gegeneinander und zeigt die Klauseln, auf die du vor der Unterschrift achten solltest. Zur Einordnung: Clever-Bauen.de vermittelt Angebote von Fachbetrieben für den Kauf einer Anlage und wird dafür von den Betrieben vergütet. Die Zahlen und Bewertungen hier stammen deshalb aus unabhängigen Quellen, vor allem von den Verbraucherzentralen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mietangebote kosten meist 80 bis 300 Euro im Monat, die Verträge laufen meist mindestens 20 Jahre
  • Über die Laufzeit zahlst du damit fast immer deutlich mehr als beim Kauf, laut Verbraucherzentrale manchmal das Zwei- bis Dreifache
  • Eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher kostet im Kauf rund 16.000 bis 22.000 Euro, ein KfW-Kredit über 20.000 Euro kostet in der besten Bonitätsklasse rund 5.650 Euro Zinsen
  • Mietverträge sind praktisch nicht kündbar und müssen bei Verkauf oder Erbe des Hauses weitergeführt werden
  • Die reine Vermietung ist vom Nullsteuersatz ausgenommen, prüf, wie viel Umsatzsteuer in der Rate steckt
  • Einen Vertrag kannst du in der Regel innerhalb von zwei Wochen widerrufen

So funktioniert das Mietmodell

Ob ein Anbieter von Miete oder Pacht spricht, macht keinen Unterschied. Er plant die Anlage, baut sie auf dein Dach und bleibt ihr Eigentümer. Du zahlst eine monatliche Rate, die über die Laufzeit meist gleich bleibt. Üblich sind 15 bis 25 Jahre. In der Rate sind je nach Vertrag Wartung, Reparaturen und Versicherung enthalten, oft gegen Aufpreis auch ein Batteriespeicher oder eine Wallbox.

Den Strom nutzt du selbst. Betreiber der Anlage bist in der Regel du, deshalb steht sie unter deinem Namen im Marktstammdatenregister, die Anmeldung übernehmen die meisten Anbieter. Die Einspeisevergütung für den Überschuss bekommst normalerweise ebenfalls du, sofern der Vertrag nichts anderes regelt. Nach dem Ende der Laufzeit sollte die Anlage kostenlos in dein Eigentum übergehen. Das steht aber nicht automatisch im Vertrag.

Was Miete und Kauf über 20 Jahre kosten

Weil die gemietete und die gekaufte Anlage denselben Strom liefern, sind Eigenverbrauch und Einspeisevergütung in beiden Fällen gleich. Vergleichen musst du deshalb vor allem das, was du für die Anlage zahlst. Gerechnet ist für eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher, die im Kauf 2026 rund 16.000 bis 22.000 Euro kostet.

Variante Rechnung Summe über 20 Jahre
Miete, 100 € im Monat 240 Raten 24.000 €
Miete, 150 € im Monat 240 Raten 36.000 €
Miete, 200 € im Monat 240 Raten 48.000 €
Kauf, bar bezahlt Preis für Anlage und Speicher 16.000 bis 22.000 €
Kauf mit KfW-Kredit 270 über 20.000 € 4,50 % Sollzins, 10 Jahre, davon 2 tilgungsfrei, beste Preisklasse: rund 5.650 € Zinsen rund 25.650 €

Beim Kauf kommen Versicherung, Wartung und wahrscheinlich ein neuer Speicher dazu, denn Batteriespeicher halten meist 10 bis 15 Jahre. Diese Posten stecken bei der Miete oft in der Rate. Bei 150 Euro im Monat liegt die Miete rund 10.000 Euro über dem Kauf mit Kredit, bei 200 Euro sind es mehr als 20.000 Euro. Diesen Abstand müssen Versicherung, Wartung und ein Speichertausch erst einmal aufbrauchen. Die gekaufte Anlage gehört dir außerdem von Anfang an und liefert nach 20 Jahren weiter Strom.

Die Verbraucherzentrale Saarland hat im April 2025 einen Haushalt mit 7.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch über 20 Jahre durchgerechnet, einschließlich des Stroms, der weiter aus dem Netz kommt. Mit Mietanlage kam sie auf rund 55.000 bis über 61.000 Euro, mit einer selbst über einen zinsgünstigen Kredit finanzierten Anlage auf 38.000 bis 43.500 Euro. Der Kauf blieb auch bei jährlich um 2 Prozent steigenden Strompreisen günstiger.

Wie Anbieter rechnen

Mietangebote kommen oft mit einer Rechnung, nach der sich die Anlage lohnt. Die Verbraucherzentrale rät, drei Annahmen zu prüfen. Rechne die Wirtschaftlichkeit nur über die Mietzeit, denn Rechnungen über 25 oder 30 Jahre verdecken, dass sich innerhalb der Laufzeit oft kein Vorteil ergibt. Üblich sind 2 bis 3 Prozent Strompreissteigerung im Jahr, manche Anbieter rechnen mit dem Doppelten oder Dreifachen. Und die Anlage sollte sich auch bei gleichbleibendem Strompreis rechnen. Häufig stellt sich eine Ersparnis erst gegen Ende oder nach dem Ende der Laufzeit ein.

Umsatzsteuer: der Unterschied zwischen Miete und Kauf

Für den Kauf einer Anlage bis 30 kWp auf oder an einem Wohnhaus gilt seit 2023 ein Umsatzsteuersatz von null Prozent. Die reine Vermietung hat das Bundesfinanzministerium in seinem Schreiben vom 27. Februar 2023 ausdrücklich davon ausgenommen. Viele Anbieter gestalten ihre Verträge deshalb so, dass die Anlage steuerlich als geliefert gilt, etwa als Mietkauf. Der Anteil für Wartung und andere Serviceleistungen kann trotzdem mit 19 Prozent besteuert werden. Lass dir zeigen, wie die Rate aufgeteilt ist und wie viel Umsatzsteuer darin steckt.

Die Haken in Mietverträgen

Die Verbraucherzentralen nennen eine Reihe von Punkten, die in Mietverträgen immer wieder Probleme machen:

  • Die Verträge laufen meist 20 Jahre und sind praktisch nicht kündbar. Ein vorzeitiger Abkauf ist möglich, aber deutlich teurer als ein direkter Kauf.
  • Verkaufst oder vererbst du das Haus, musst du in der Regel dafür sorgen, dass der Käufer oder Erbe den Vertrag übernimmt.
  • Wartung, Reparatur und Versicherung sind oft enthalten, aber nicht immer vollständig. Manche Kosten trägst du je nach Vertrag selbst.
  • Der Speicher hält kürzer als die Anlage. Klär vorher, ob und wann der Anbieter ihn tauscht und wie du einen Leistungsverlust nachweisen musst.
  • Die kostenlose Übernahme nach Vertragsende sollte ausdrücklich im Vertrag stehen.
  • Es gab Fälle, in denen Anbieter während laufender Verträge insolvent wurden. Betroffene hatten danach teilweise Probleme, die Anlage weiter zu betreiben.
  • Prüf, ob die Einspeisevergütung wirklich an dich geht.

Lass dich nicht drängen, auch nicht an der Haustür. Einen Vertrag kannst du in der Regel innerhalb von zwei Wochen widerrufen.

Wann eine Miete passen kann

Für die Miete spricht der Service. Im besten Fall musst du dich um Wartung, Instandhaltung und Versicherung nicht kümmern, und du brauchst kein Eigenkapital. Finanziell lohnt sie sich nach Einschätzung der Verbraucherzentrale häufig nicht. Wer vor allem Klimaschutz und mehr Unabhängigkeit vom Versorger will, erreicht das mit einer gekauften Anlage genauso.

Fehlt dir das Geld für den Kauf, ist der KfW-Kredit 270 die naheliegende Alternative. Er finanziert bis zu 100 Prozent der Kosten einschließlich Speicher, der Zins hängt von deiner Bonität ab und lag ab dem 22. Oktober 2026 für Aufdachanlagen bei zehn Jahren Laufzeit zwischen 4,58 und 11,36 Prozent effektiv. Eine kleinere Anlage ohne Speicher kostet für 10 kWp rund 11.000 bis 15.000 Euro, ein Speicher lässt sich später nachrüsten. Ob sich der Speicher für dich rechnet, steht im Ratgeber Photovoltaik mit Speicher: Kosten 2026. Worauf du bei der Auswahl eines Fachbetriebs achten solltest, steht im Ratgeber Photovoltaik-Anbieter wählen.

Der Stichtag 31. Dezember 2026

Ob gemietet oder gekauft: Eine Anlage, die bis zum 31. Dezember 2026 in Betrieb geht, bekommt die heutige Einspeisevergütung von 7,70 Cent je Kilowattstunde (bis 10 kWp) für das Inbetriebnahmejahr und 20 weitere Jahre. Nach dem Entwurf der EEG-Novelle vom Juli 2026 soll die feste Vergütung für neue kleine Anlagen ab 2027 entfallen. Der Bundestag hat noch nicht abgestimmt (Stand 29. Oktober 2026). Rechnet ein Angebot mit der Einspeisevergütung, lass dir den Termin der Inbetriebnahme verbindlich zusagen.

Checkliste vor der Unterschrift

  1. Rechne die Summe aller Raten über die gesamte Laufzeit aus und stell sie dem Kaufpreis einer vergleichbaren Anlage gegenüber.
  2. Hol mindestens ein Kaufangebot mit gleicher Leistung und gleichem Speicher ein, damit du einen echten Vergleich hast.
  3. Prüf, welche Leistungen die Rate abdeckt: Wartung, Reparatur, Versicherung, Speichertausch.
  4. Lass dir die Aufteilung der Rate und die enthaltene Umsatzsteuer zeigen.
  5. Kläre die Regeln für Hausverkauf, Erbe, vorzeitigen Abkauf und die Übernahme am Vertragsende.
  6. Prüf die Annahmen der Wirtschaftlichkeitsrechnung, vor allem Strompreissteigerung und Betrachtungszeitraum.
  7. Lass das Angebot bei Zweifeln von der Energieberatung der Verbraucherzentrale prüfen und nutz notfalls das Widerrufsrecht.

Häufige Fragen

Was kostet es, eine PV-Anlage zu mieten?

Laut Verbraucherzentrale meist 80 bis 300 Euro im Monat, je nach Größe, Speicher und enthaltenem Service. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren sind das 19.200 bis 72.000 Euro. Eine 10-kWp-Anlage mit Speicher kostet im Kauf rund 16.000 bis 22.000 Euro.

Ist Mieten günstiger als Kaufen?

Fast nie. Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen ist eine Miete am Ende meist deutlich teurer als ein Kauf, manchmal um das Zwei- bis Dreifache. Selbst ein Kauf mit Kredit bleibt in den Beispielrechnungen günstiger. Der Vorteil der Miete ist der Service, nicht der Preis.

Wem gehört der Strom bei einer gemieteten Anlage?

Dir. Du nutzt den Strom selbst und bekommst in der Regel auch die Einspeisevergütung für den Überschuss, weil du als Betreiber im Marktstammdatenregister eingetragen bist. Die Anlage selbst gehört bis zum Vertragsende dem Anbieter.

Was passiert mit dem Mietvertrag, wenn ich das Haus verkaufe?

Der Vertrag läuft weiter. Du musst in der Regel dafür sorgen, dass der Käufer ihn übernimmt. Das kann den Verkauf erschweren. Alternativ kaufst du die Anlage vorzeitig ab, was meist teuer ist.

Fällt bei einer Miet-PV-Anlage Umsatzsteuer an?

Die reine Vermietung ist vom Nullsteuersatz ausgenommen. Viele Anbieter gestalten ihre Verträge so, dass die Anlage steuerlich als geliefert gilt, der Serviceanteil wird aber oft mit 19 Prozent besteuert. Beim Kauf einer Anlage bis 30 kWp am Wohnhaus fallen null Prozent an.

Kann ich aus einem Mietvertrag wieder aussteigen?

Innerhalb von zwei Wochen nach Vertragsschluss kannst du in der Regel widerrufen. Danach sind die Verträge praktisch nicht kündbar. Ein vorzeitiger Abkauf ist möglich, kostet aber deutlich mehr als ein direkter Kauf.

Was du als Nächstes tun kannst

  1. Rechne die Summe aller Raten des Mietangebots über die volle Laufzeit aus.
  2. Hol Kaufangebote für eine Anlage mit gleicher Leistung und gleichem Speicher ein.
  3. Frag bei deiner Bank nach dem KfW-Kredit 270, falls du finanzieren willst.
  4. Lass Miet- und Kaufangebot bei Bedarf von der Verbraucherzentrale prüfen.
  5. Plane so, dass die Anlage noch 2026 in Betrieb geht.

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