Im Wohnzimmer wird der Heizkörper nur lauwarm, im Bad rauscht das Ventil, und die Heizungspumpe läuft auf der höchsten Stufe, damit es oben im Dachzimmer überhaupt warm wird. Das sind die typischen Zeichen einer Heizung, die nie hydraulisch abgeglichen wurde. Das Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstands: Heizkörper nahe an der Pumpe bekommen zu viel davon, weit entfernte zu wenig.
Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er für seinen Raum braucht. Dieser Ratgeber erklärt, was der Abgleich kostet, wann Verfahren B nötig ist, was du selbst einstellen kannst und was smarte Thermostate dabei taugen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Im Einfamilienhaus kostet der Abgleich 650 bis 1.250 Euro, nach Verfahren B mit Heizlastberechnung 800 bis 1.500 Euro
- Fehlen voreinstellbare Thermostatventile, kommen 30 bis 80 Euro je Heizkörper dazu
- Realistisch spart der Abgleich 7 bis 11 Prozent Heizenergie, bei einem typischen Einfamilienhaus 170 bis 260 Euro im Jahr
- Gesetzlich Pflicht ist er erst ab sechs Wohnungen, für jede Förderung der Heizung aber schon, und zwar nach Verfahren B
- Für eine bestehende Heizung gibt es 15 Prozent vom BAFA oder 20 Prozent Steuerbonus, wenn die Anlage älter als zwei Jahre ist
- Selbst einstellen geht, gefördert wird aber nur ein Abgleich, den ein Fachbetrieb bestätigt
- Smarte Thermostate ersetzen den Abgleich für die Förderung nur, wenn ihr Verfahren als gleichwertig zu Verfahren B zertifiziert ist
Was beim Abgleich passiert
Eine Heizung ist ein Netz aus Rohren, und jeder Heizkörper hängt an einem anderen Punkt dieses Netzes. Je weiter ein Heizkörper von der Pumpe entfernt ist, desto mehr Rohrstrecke und Widerstand muss das Wasser bis dorthin überwinden. Ohne Abgleich fließt deshalb zu viel Wasser durch die nahen Heizkörper und zu wenig durch die fernen. Die übliche Reaktion ist, die Pumpe höher zu stellen oder die Vorlauftemperatur anzuheben. Das macht die fernen Räume wärmer, kostet aber an allen anderen Stellen Energie.
Beim Abgleich wird für jeden Heizkörper berechnet, wie viel Wasser er braucht, und das Ventil entsprechend voreingestellt. Danach werden die Pumpenleistung und die Heizkurve angepasst, meist nach unten. Das Ergebnis sind gleichmäßig warme Räume bei niedrigerer Vorlauftemperatur, eine leisere Heizung und eine Pumpe, die weniger Strom braucht.
Verfahren A oder Verfahren B
Die Fachregel, nach der in Deutschland abgeglichen wird, kennt zwei Verfahren. Der Unterschied liegt in der Grundlage, auf der die Wassermengen berechnet werden.
| Verfahren A | Verfahren B | |
|---|---|---|
| Grundlage | Näherungswerte aus Wohnfläche und Baualter | raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 |
| Heizkörper | werden nicht einzeln geprüft | jeder Heizkörper wird gegen den Raumbedarf geprüft |
| Genauigkeit | grob | genau |
| Kosten im Einfamilienhaus | günstiger | 800–1.500 € |
| Reicht für Förderung | nein | ja |
Verfahren B beginnt mit einer raumweisen Heizlastberechnung, prüft dann jede Heizfläche, ermittelt Volumenströme und Einstellwerte und passt Vorlauftemperatur, Pumpe und Regelung an. Was die Heizlastberechnung selbst kostet und worauf du dabei achten solltest, steht im Ratgeber Heizlastberechnung: Kosten, Ablauf und wann sie Pflicht ist.
Dokumentiert wird der Abgleich auf den Formularen des VdZ, des Forums für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik. Es gibt eine Bestätigung für Verfahren A und eine für Verfahren B. Der Fachbetrieb füllt sie aus und unterschreibt sie. Für die Förderung ist dieses Formular der Nachweis, deshalb solltest du es dir aushändigen lassen und aufbewahren.
Was der Abgleich kostet
Der größte Kostenfaktor ist nicht die Berechnung, sondern die Frage, ob an den Heizkörpern schon voreinstellbare Thermostatventile sitzen. Ohne sie lässt sich kein Heizkörper auf eine bestimmte Wassermenge einstellen, egal nach welchem Verfahren.
| Leistung | Preis im Einfamilienhaus |
|---|---|
| Abgleich, typische Spanne | 650–1.250 €, im Schnitt rund 925 € |
| Abgleich nach Verfahren B mit Heizlastberechnung | 800–1.500 € |
| Neue voreinstellbare Ventile, je Heizkörper | 30–80 € mit Montage |
| Neue Ventile für das ganze Haus | 300–600 € |
Dem stehen die Einsparungen gegenüber. Die Zahlen dazu gehen weit auseinander: Das Forschungsprojekt Optimus kam auf rund 10 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche, manche Anbieter werben mit 10 bis 20 Prozent. Eine Metastudie der ITG Dresden von 2019 hat die vorhandenen Messungen ausgewertet und kommt auf realistische 7 bis 11 Prozent. Mit diesen vorsichtigen Werten sieht die Rechnung für ein Haus mit 20.000 Kilowattstunden Gasverbrauch bei 12 Cent je Kilowattstunde so aus: 1.400 bis 2.200 Kilowattstunden weniger, also 170 bis 260 Euro im Jahr. Ein Abgleich für 925 Euro kostet nach 20 Prozent Steuerbonus noch 740 Euro und ist damit nach knapp drei bis viereinhalb Jahren bezahlt.
Wer den Abgleich machen muss
Die Pflicht hängt an der Größe des Gebäudes und an der Förderung, nicht am Zustand der Heizung.
| Situation | Pflicht? |
|---|---|
| Einfamilienhaus, Zweifamilienhaus, Haus mit bis zu fünf Wohnungen | nein, solange keine Förderung beantragt wird |
| Ab sechs Wohnungen, nach Einbau einer neuen Heizung | ja, nach § 60c Gebäudemodernisierungsgesetz |
| Ab sechs Wohnungen, Heizung vor Oktober 2009 eingebaut | Heizungsprüfung und Optimierung bis 30. September 2027, der Abgleich gilt als Nachweis |
| Neue Heizung mit KfW-Zuschuss | ja, nach Verfahren B |
| Heizungsoptimierung mit BAFA-Zuschuss | ja, nach Verfahren B |
Die Regeln für größere Gebäude gehen auf eine Notverordnung aus der Energiekrise zurück. Sie wurden im Oktober 2024 dauerhaft ins Gebäudeenergiegesetz übernommen und gelten im Gebäudemodernisierungsgesetz weiter.
Förderung für eine bestehende Heizung
Wer seine vorhandene Heizung abgleichen lässt, hat zwei Wege, die sich ausschließen. Das BAFA fördert die Heizungsoptimierung mit 15 Prozent, wenn die Anlage seit mehr als zwei Jahren läuft, nach Verfahren B abgeglichen wird und mindestens 300 Euro kostet. Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden. Der Steuerbonus nach § 35c bringt 20 Prozent, verteilt über drei Jahre, und braucht keinen Antrag vorab, sondern die Bescheinigung des Fachbetriebs. Voraussetzung ist auch hier eine Anlage, die älter als zwei Jahre ist, und ein Haus, in dem du selbst wohnst. Für Selbstnutzer bringt der Steuerbonus bei den kleinen Summen eines Abgleichs fast immer mehr, Vermieter haben nur den BAFA-Weg.
Beim Einbau einer Wärmepumpe mit KfW-Zuschuss ist der Abgleich dagegen Teil der Maßnahme. Er zählt zu den förderfähigen Kosten und wird mit dem Fördersatz der Wärmepumpe bezuschusst, solange das Projekt unter dem Deckel von 28.000 Euro bleibt.
Selbst machen: was geht und was nicht
Ob man den Abgleich selbst machen kann, ist eine der häufigsten Fragen zum Thema. Die ehrliche Antwort: Einstellen kannst du ihn selbst, gefördert wird er dann aber nicht. Zuschuss und Steuerbonus setzen voraus, dass ein Fachbetrieb den Abgleich durchführt und bestätigt.
Voraussetzung für jeden Abgleich sind voreinstellbare Ventile. Ob deine Heizkörper welche haben, siehst du, wenn du den Thermostatkopf abnimmst: Voreinstellbare Ventile haben am Ventiloberteil eine Skala mit Ziffern oder Buchstaben. Fehlt sie, müssen die Ventile getauscht werden, und das ist meist Arbeit für den Fachbetrieb.
Die Rechnung dahinter ist überschaubar. Die Wassermenge je Heizkörper ergibt sich aus der Heizlast des Raums geteilt durch 1,16 Wattstunden je Liter und Kelvin mal der Spreizung, also dem Temperaturunterschied zwischen Vor- und Rücklauf. Ein Raum mit 1.000 Watt Heizlast braucht bei 10 Kelvin Spreizung rund 86 Liter pro Stunde. Aus dieser Menge und dem Diagramm des Ventilherstellers ergibt sich der Einstellwert. Der schwierige Teil ist die Heizlast je Raum, und genau hier liegt der Unterschied zwischen einer groben Schätzung und Verfahren B.
Bei einer Fußbodenheizung passiert der Abgleich am Heizkreisverteiler. Dort wird für jeden Heizkreis die Durchflussmenge eingestellt, am einfachsten über Durchflussmesser, die sich bei älteren Verteilern nachrüsten lassen. Bei einer Einrohrheizung, in der mehrere Heizkörper hintereinander an einem Rohr hängen, funktioniert der Abgleich anders und deutlich aufwendiger. Das solltest du einem Fachbetrieb überlassen.
Und die smarten Thermostate?
Hersteller wie tado oder Homematic IP bieten Heizkörperthermostate an, die einen automatischen Abgleich versprechen. Sie messen die Raumtemperatur laufend und regeln die Wassermenge je Heizkörper selbstständig nach. Das kann die Verteilung im Haus spürbar verbessern, gerade wenn niemand die Ventile je eingestellt hat.
Für die Förderung ist die Lage enger. Das BAFA hat Anforderungen festgelegt, unter denen solche temperaturbasierten Verfahren als gleichwertig zu Verfahren B anerkannt werden. Dafür muss das konkrete System von einer unabhängigen Prüfstelle zertifiziert sein, und auch dann füllt ein Fachbetrieb das VdZ-Formular aus. Frag vor dem Kauf, ob genau dein System diese Zertifizierung hat, und verlass dich nicht auf die Werbung. Pumpe und Heizkurve stellen die Thermostate außerdem nicht ein, das bleibt Handarbeit.
Warum der Abgleich bei der Wärmepumpe mehr zählt
Eine Gasheizung überspielt einen fehlenden Abgleich einfach mit höherer Vorlauftemperatur. Eine Wärmepumpe kann das nicht, ohne dass es teuer wird. Jedes Kelvin mehr Vorlauf kostet sie 2,5 bis 3 Prozent zusätzlichen Strom. Wenn ein einziger schlecht versorgter Raum die ganze Anlage zwingt, fünf Grad wärmer zu fahren, frisst das einen großen Teil der Ersparnis auf, die du dir von der Wärmepumpe versprichst.
Deshalb verlangt die KfW den Abgleich nach Verfahren B, und deshalb lohnt er sich schon vor dem Wärmepumpen-Kauf. Wer die alte Heizung abgleichen lässt, erfährt nebenbei, welche Heizkörper bei 55 Grad noch reichen und welche nicht. Wie dieser Test abläuft, steht im Ratgeber Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern.
Häufige Fragen
Was kostet ein hydraulischer Abgleich?
Im Einfamilienhaus 650 bis 1.250 Euro, im Schnitt rund 925 Euro. Nach Verfahren B mit raumweiser Heizlastberechnung sind es 800 bis 1.500 Euro. Müssen die Thermostatventile getauscht werden, kommen 30 bis 80 Euro je Heizkörper dazu.
Ist der hydraulische Abgleich Pflicht?
Im Einfamilienhaus nicht, solange du keine Förderung beantragst. Ab sechs Wohnungen ist er nach dem Einbau einer neuen Heizung vorgeschrieben. Für den KfW-Zuschuss zur Wärmepumpe und die BAFA-Förderung der Heizungsoptimierung ist er nach Verfahren B Voraussetzung.
Kann ich den hydraulischen Abgleich selbst machen?
Einstellen kannst du ihn selbst, wenn voreinstellbare Ventile vorhanden sind und du die Heizlast je Raum kennst. Gefördert wird ein selbst gemachter Abgleich aber nicht, dafür muss ein Fachbetrieb ihn durchführen und bestätigen.
Was ist das VdZ-Formular?
Die Bestätigung des hydraulischen Abgleichs nach den Vorlagen des VdZ, getrennt für Verfahren A und B. Der Fachbetrieb füllt sie aus und unterschreibt. Für die Förderung ist sie der Nachweis, dass der Abgleich nach Verfahren B erfolgt ist.
Ersetzen smarte Thermostate den hydraulischen Abgleich?
Sie können die Wärmeverteilung verbessern. Für die Förderung zählen sie nur, wenn ihr Verfahren von einer unabhängigen Prüfstelle als gleichwertig zu Verfahren B zertifiziert ist und ein Fachbetrieb das Formular unterschreibt. Pumpe und Heizkurve stellen sie nicht ein.
Woran merke ich, dass meine Heizung nicht abgeglichen ist?
Einzelne Räume werden nicht warm, während andere überheizt sind, Heizkörper sind oben warm und unten kalt, Ventile rauschen oder pfeifen, und die Pumpe läuft auf hoher Stufe. Treffen mehrere Punkte zu, lohnt sich ein Abgleich fast immer.
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Was du als Nächstes tun kannst
- Nimm an zwei oder drei Heizkörpern den Thermostatkopf ab und schau, ob die Ventile voreinstellbar sind.
- Notiere, welche Räume nicht warm werden und wo Ventile rauschen.
- Entscheide vor dem Auftrag, ob du den Steuerbonus oder den BAFA-Zuschuss nutzen willst, denn der Zuschuss muss vorher beantragt werden.
- Verlange im Angebot Verfahren B und das ausgefüllte VdZ-Formular.
- Planst du eine Wärmepumpe, lass den Abgleich gleich mit dem 55-Grad-Test verbinden.
